(c) pixelio.de 703245_original_R_K_B_by_Lupo

Wie eine Studie des Uniklinikums Münster nachgewiesen hat, sterben immer noch mehr Frauen am akuten Herzinfarkt als Männer. So beträgt die Sterberate im Krankenhaus beim ST-Hebungsinfarkt für Frauen 16,9%, für Männer 9,9%. Beim Nicht-Hebungsinfarkt beträgt sie für Frauen immer noch 11,7%, bei Männern 8,7%.
Ausgewertet wurden die Daten, die vom Bundesamt für Statistik in den Jahren 2005, 2007 und 2009 für Deutschland erfasst wurden.

Die Ursachen sind vielfältig:
Obwohl 55% aller Frauen an Herz-Kreislauaerkrankungen sterben und „nur“ 3% am Mammakarzinom, ist Brustkrebs die am meisten gefürchtete Erkrankung.
Vielen Frauen ist nicht bewusst, dass die Koronare Herzerkrankung (KHK) keine „Männerkrankheit“ ist. Leider trifft dies auch immer noch auf manche Ärzte zu, die bei unklaren, allerdings typischen weiblichen Symptomen, wie Übelkeit, Bauchschmerzen und Atemnot, keine adäquate Diagnostik einleiten.
Die frauenspezische Disposition spielt für die Entstehung der KHK z.B. beim Diabetes und hohem Blutdruck eine wesentlich größere Rolle als bei Männern. Dies trifft auch auf das Rauchen und bei Übergewicht zu.
Das metabolische Syndrom (Übergewicht mit hohem Bauchfettanteil, Insulinresistenz, hoher Blutdruck und Fettstoffwechselstörung) ist nicht nur die Vorstufe des Diabetes mellitus Typ 2, sondern ein besonderer Risikofaktor für die KHK.
Die Wirkung von Medikamenten zur Behandlung von Risikofaktoren sind weniger für die Anwendung bei Frauen untersucht. So ist die Wirkung deutlich unterschiedlich und bei Frauen mit mehr Nebenwirkungen behaftet.
Auch werden Frauen entsprechende Medikamente (Betablocker, Lipidsenker, ACE-Hemmer) in der Regel seltener verordnet.
Ungünstiger Lebensstil – Bewegungsmangel, Übergewicht, Rauchen, psycho-sozialer Stress – begünstigen die Zunahme der KHK inzwischen auch bei Frauen vor der Menopause.
Prof. Dr. med. Vera Regitz-Zagrosek vom Deutschen Herzzentrum in Berlin (Frauenspezifische Gesundheitsforschung mit Schwerpunkt Herz-Kreislauferkrankungen) fordert deshalb auch die Berücksichtigung von geschlechtsspezifischen Unterschieden sowohl in der Grundlagenforschung wie in der Gesundheitserziehung.